Von der Redaktion Internet Fusion · 6. Oktober 2026
Am 6. Oktober 1973 begann der Jom-Kippur-Krieg. In der Bundesrepublik waren seine Folgen zunächst nicht an einer Zapfsäule zu sehen. Erst die folgenden Entscheidungen ölproduzierender Staaten, steigende Rohölpreise und deutsche Sparmaßnahmen veränderten den Alltag: Autofahrer zahlten mehr für Kraftstoff, und an vier Sonntagen blieben die meisten Autos stehen.
Der Krieg begann am 6. Oktober – die Ölkrise entwickelte sich danach
Ägypten und Syrien griffen am 6. Oktober 1973 Israel an. Der Krieg fiel auf Jom Kippur, den höchsten jüdischen Feiertag. Für die Menschen in den beteiligten Ländern bedeutete er Kampfhandlungen und Verluste. Seine wirtschaftlichen Folgen reichten später weit über die Region hinaus.
Der Kriegsbeginn erklärt jedoch für sich genommen weder die Höhe der späteren Ölpreise noch die deutschen Fahrverbote. In den folgenden Tagen trafen Förderländer eigene politische und wirtschaftliche Entscheidungen. Zugleich war die Nachfrage nach Erdöl in den Industriestaaten hoch. Krieg, Ölpolitik und Reaktionen der Verbraucherländer gehören deshalb zu einer zeitlichen Abfolge, nicht zu einem einzigen Ereignis.
Für die Bundesrepublik war Erdöl ein wichtiger Energieträger. Es trieb Autos und Lastwagen an, wurde zum Heizen genutzt und war Rohstoff für die Industrie. Wenn sich importiertes Öl verteuerte oder seine Lieferung unsicher erschien, betraf das weit mehr als den Preis einer Tankfüllung.
Mitte Oktober setzten Förderländer Öl als Druckmittel ein
Am 16. Oktober erhöhten mehrere ölproduzierende Golfstaaten ihre offiziellen Rohölpreise deutlich. Am folgenden Tag beschlossen arabische Ölförderländer Förderkürzungen. Gegen einzelne Staaten wurden außerdem Lieferstopps verhängt. Diese Schritte standen im Zusammenhang mit deren Haltung zum Krieg, hatten aber unterschiedliche Reichweiten.
Die Bundesrepublik war nicht in gleicher Weise Ziel eines Lieferstopps wie etwa die USA oder die Niederlande. Trotzdem konnte sie sich den Folgen nicht entziehen. Öl wurde international gehandelt; Unsicherheit über verfügbare Mengen und höhere Preise wirkten sich auch auf Länder aus, die nicht unmittelbar von einem Embargo betroffen waren.
Der oft genannte Anstieg des Rohölpreises von ungefähr drei auf ungefähr zwölf US-Dollar je Barrel beschreibt die Entwicklung bis Anfang 1974. Er war kein Preissprung an einem einzelnen Oktobertag. Auch an deutschen Tankstellen kamen höhere Kosten nicht überall gleichzeitig an: Lieferverträge, Vorräte und Verkaufspreise veränderten sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Im November griff die Bundesregierung in den Verkehr ein
Die Bundesregierung reagierte auf die angespannte Versorgungslage mit dem Energiesicherungsgesetz und darauf gestützten Verordnungen. Ab November galten zeitweise Geschwindigkeitsbeschränkungen: 100 Kilometer pro Stunde auf Autobahnen und 80 Kilometer pro Stunde auf Landstraßen. Niedrigere Geschwindigkeiten sollten Kraftstoff sparen.
Besonders sichtbar wurden die Maßnahmen an den vier autofreien Sonntagen vom 25. November bis 16. Dezember 1973. An diesen Tagen durften private Autos grundsätzlich nicht fahren; für notwendige Fahrten gab es Ausnahmen. Eine sonst vom Autoverkehr geprägte Straße sah dadurch anders aus. Für Ausflüge oder Besuche mussten Menschen andere Verkehrsmittel wählen oder ihre Pläne ändern.
Die Sonntagsfahrverbote sind bis heute das bekannteste Bild der westdeutschen Ölkrise. Sie zeigen aber nur einen Teil der Wirkung. Im Alltag mussten Haushalte höhere Ausgaben für Benzin und Heizöl einplanen. Auch Unternehmen, die Energie für Produktion und Transport benötigten, standen unter Kostendruck. Wie stark Einzelne betroffen waren, hing unter anderem davon ab, ob sie mit Öl heizten und auf ein Auto angewiesen waren.
Was der Preisschock für die Bundesrepublik bedeutete
Teureres Öl belastete die Wirtschaft über Monate und Jahre. Wenn Transport, Wärme und industrielle Produktion mehr kosteten, konnten auch andere Waren teurer werden. Die Konjunktur schwächte sich ab; zugleich blieb die Inflation ein Problem. Die Folgen lassen sich nicht allein dem Krieg zuschreiben: Entscheidend waren die Ölpreise, die Entscheidungen der Förderländer und die große Abhängigkeit der Industriestaaten von Erdöl.
Die Krise machte zudem eine politische Frage greifbar: Wie verlässlich ist die Energieversorgung eines Landes, das große Mengen Brennstoff importieren muss? Seither gehören Vorratshaltung, sparsamere Nutzung und eine breitere Versorgung zu den wiederkehrenden Themen deutscher Energiepolitik. Über die passenden Mittel wurde und wird gestritten.
Der 6. Oktober ist damit der Anfangspunkt dieser Geschichte, nicht ihr vollständiger Wendepunkt. Wer die westdeutschen Fahrverbote verstehen will, muss auch auf die Ölentscheidungen Mitte Oktober und die Maßnahmen im November schauen. Diese Abfolge erklärt, warum eine internationale Krise Wochen später den Weg zur Arbeit, die Sonntagsfahrt und die Heizkosten in der Bundesrepublik berührte.
Quelle: Editorial research
Kontext und Aktionen Über diesen Artikel
Quellenprüfung Historische Einordnung
Die Einordnung unterscheidet den Kriegsbeginn von den späteren Ölentscheidungen und den deutschen Sparmaßnahmen.
- 6. Oktober 1973: Beginn des Jom-Kippur-Kriegs.
- 16. und 17. Oktober 1973: Preisentscheidung und Beschluss über Förderkürzungen.
- 25. November bis 16. Dezember 1973: vier autofreie Sonntage in der Bundesrepublik.
- Umfang
- Deutschland
- Aktualisiert
- 2026-10-06 08:53
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